Tauziehen um die Heilige Nacht
 
 

Tauziehen um die Heilige Nacht

1.AKT

Der böse Geist:
Ich bin der Geist der stets verneint und das mit recht, denn alles was entsteht ist Wert das es zugrunde geht. Drum besser wär’s wenn nichts entstünde so ist denn alles was ihr Sünde Zerstörung kurz das Böse nennt, mein eigentliches Element.(geklaut bei Goethe Faust I)

Der gute Geist:
Ich bin der Geist der gutes schafft, denn alles was entsteht ist Gottes Werk hat seine Kraft. Zum Leben sag ich gerne ja, wie könnte ich es auch verneinen, es ist durch Gottes Odem da. Ich bin sein Bote hier auf Erden, durch mich soll alles besser werden.

Erzähler:
(steht hinterm Altar) Ungefähr im Jahre 0 entschied sich der Kaiser Augustus. Sein Volk zu zählen. Er tat dies um in Zukunft die Steuereinnahmen besser koordinieren und überprüfen zu können. In Palästina war diese staatliche Volkszählung die allererste und sie verletzte die religiösen Gefühle vieler Juden. Nach dem jüdischen Glauben ist es Gott vorbehalten sein Volk zu zählen.

Herold:
(von der Empore) Hört Ihr Bürger von Nazareth. Es ist Euch folgendes bekanntzugeben: Basierend auf §2 der römischen Verfassung hat unser erhabener Kaiser Augustus den ab sofort gültigen Erlaß 123 bekanntgegeben. Dieser besagt, daß sich ein jeder Mann mit seiner Familie in die Stadt seiner Väter zu begeben habe, denn in zwei Wochen findet eine allgemeine Volkszählung statt. Dieser Erlaß wird wirksam mit der offiziellen Verkündigung auf dem Marktplatz jeder Stadt und jedes Dorfes.

(Maria schrubbt mit einem Schrubber den Boden, sichtlich erschöpft durch den großen Bauch. Joseph kommt herein.)

Joseph:
Hallo Maria. (Setzt sich hin) Mensch war das ein anstrengender Tag. Du glaubst gar nicht was ich heute alles zu tun hatte.

Maria:
Glaubst Du etwa ich hätte den ganzen Tag nur rumgesessen? Jede Bewegung fällt mir zur Zeit schwer. Langsam könnte das Kind ruhig kommen. Ich habe das Gefühl, daß ich bald platze.

Joseph:
Nun übertreibe mal nicht. Es wird schon nicht mehr so lange dauern. Du hättest Dir das eben vorher überlegen sollen.

(Maria ist verärgert und fegt weiter. Es klopft an. Joseph geht zur Tür und öffnet.)

Joseph:
Komm herein Ephraim, mein Haus ist Dein Haus .

(Der böse Geist tritt ein)

Der böse Geist:
Sei gegrüßt Joseph. Wie geht es Dir so?

Joseph:
Ach, eigentlich ganz gut. Ich habe zur Zeit noch Arbeit, aber das schlaucht ganz schön. Und Maria hat anscheinend auch ziemlich zu kämpfen.

Der böse Geist:
Die soll sich mal nicht so haben. Andere Frauen haben auch schon Kinder gekriegt. Du mußt sie besser erziehen, sonst tanzt sie Dir noch auf der Nase herum.

(Es klopft erneut. Maria geht jetzt zur Tür und öffnet. Der Engel kommt herein.)

Maria:
Hallo Rebekka!

Der gute Geist:
Habt Ihr schon das neueste gehört. Der Kaiser hat eine allgemeine Volkszählung veranlaßt. Alle Männer müssen sich mit ihrer Familie innerhalb der nächsten zwei Wochen in die Stadt ihrer Väter begeben. Als wenn unser Leben nicht schon schwer genug ist.

Maria:
(Ruft)O Gott!(Setzt sich hin.) Wie kann er das nur machen. Josephs Vorfahren kommen aus Bethlehem. Das sind mehrere Tagesreisen von hier. Das schaffe ich nicht. Ich habe ja schon zu tun unser Haus zu fegen. Jeden Tag kann das Kind kommen.

Der gute Geist:
(Nimmt Maria in die Arme.) Ich weiß Kleines. Du mußt jetzt stark sein. Vielleicht findet sich ja ein Ausweg.

(Joseph und der böse Geist treten dazu.)

Der böse Geist:
Das kann doch nicht war sein. Diesem launischen Kaiser muß man sich widersetzen. Joseph, das kannst Du Dir nicht gefallen lassen. Er schubst uns Juden herum als wären wir irgendwelche Tiere.

Der gute Geist:
Was willst Du denn machen. Sollen wir mit unseren Sicheln und anderen Werkzeugen gegen die römischen Soldaten kämpfen. Natürlich ist es falsch was dieser Kaiser verlangt wir alle kennen Gottes G ebote. Doch Joseph hat auch Verantwortung für seine Familie. Laß ihn und Maria allein entscheiden. Sie müssen die beste Lösung für sich finden.

(Der böse Geist zieht Joseph zur Seite)

Der böse Geist:
Joseph, ich bin nicht der einzige der so denkt. Wir sind schon so einige. Wir haben die Nase voll von der Willkür der Römer. Es wird Zeit sich zu wehren. Wir können nicht warten bis Gott uns hilft. Wir müssen selbst aktiv werden.

Joseph:
Und was mache ich mit Maria? Ich kann sie und das Kind doch schlecht mitnehmen zu Euch.

Der böse Geist:
(Wehrt mit den Händen ab) Nein das geht nicht. Laß sie doch einfach zurück. Sie können doch von den Dorfalmosen leben. Was kümmert Dich denn das Kind. Ist es etwa Deins. Du weißt doch bis heute nicht wo sie das Balg her hat. Du hast ihr lange genug zur Seite gestanden jetzt wird es Zeit zu wichtigeren Taten zu schreiten.

(Der gute Geist tritt von hinten heran - schon bei den letzten Worten des bösen Geistes)

Der gute Geist:
Was besprecht ihr beiden so leise. Laß Dir von ihm keinen Floh ins Ohr setzen. Ihr müßt Euch das in Ruhe überlegen. Rede mit Maria und schlaft ein, zwei Nächte darüber.

Der böse Geist:
(Leise zu Joseph) Vergiß nicht was ich Dir gesagt habe. (Geht.)

(der gute Geist und Joseph gehen zu Maria zurück)

Der gute Geist:
Ich werde Euch beide jetzt auch allein lassen. Wenn ihr Hilfe braucht kommt einfach rüber zu mir. Denkt nur dran, egal was ihr tut, Gott wird seine schützende Hand über Euch halten. (Geht.)

(Maria und Joseph sitzen nebeneinander. Sie schweigen. Maria schaut Joseph an, doch dieser schaut mit ernstem Gesicht auf die Erde. Maria legt ihre Hand auf Josephs Schulter er dreht sich langsam zu ich. Schaut sie an. Dann schaut er auf ihren Bauch, legt seine Hand darauf.Er beginnt zu lächeln. Dann schaut er wieder Maria in die Augen und nimmt sie in die Arme. Joseph steht auf.)

Joseph:
Ich weiß noch nicht genau wie, aber wir werden es schon irgendwie schaffen. Ich lasse mir etwas einfallen. Laß uns jetzt ersteinmal schlafen gehen.

(Licht verlischt)

2.AKT

Erzähler:
Einige Tage später brachen Joseph und Maria nach Bethlehem auf. Es waren viele Menschen auf den Straßen unterwegs und sie kamen nur langsam voran. Häufig mußten sie Pause machen. Der Straßenstaub setzte sich auf ihrer Haut und ihrer Kleidung fest.

(Maria setzt sich auf die Stufen)

Maria:
Joseph ich kann nicht mehr. Ich bleibe jetzt hier sitzen und warte bis das Kind kommt. Geh doch ohne mich weiter. Dann bist Du sowieso viel schneller. Sag einfach bei der Volkszählung, daß Du auch noch eine Frau und ein Kind hast. Wir sind für die Statistik ja eh nicht so wichtig.

Joseph:
Nun komm schon Maria. Es ist doch nicht mehr so weit. In zwei Tagen haben wir Bethlehem erreicht. Raff Dich noch einmal auf. Morgen können wir in Jerusalem Rast machen ich habe noch etwas Geld. Wir nehmen uns ein schönes Zimmer und ruhen uns dort aus.

(Leicht vermummt tritt der böse Geist mit gezücktem Messer von hinten heran)

Der böse Geist:
Ich denke das Geld gibst Du lieber mir. Es sei denn Du magst es kaltes Eisen zwischen Deinen Rippen zu spüren.

(Maria erschrickt, schaut ganz ängstlich)

Joseph:
Was willst Du. Ich habe kaum Geld. Suche Dir lieber einen von den reichen Kaufleuten und raube die aus. Ich brauche das Geld für meine Familie und habe den ganzen Sommer hart dafür gearbeitet.

Der böse Geist:
Scheinbar habe ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt. Entweder gibst Du mir jetzt Dein Geld oder Du wirst nie wieder im Sommer arbeiten.

Maria:
Nun gib ihm schon das Geld. Wir kommen schon irgendwie klar.

Joseph:
Wie denn? Ohne Geld kommen wir nicht weiter. Und wir können ja nicht unter freiem Himmel schlafen. Da sind wir erst recht Räubern und wilden Tieren ausgeliefert. Dann kann er mich auch gleich umbringen.

(Der böse Geist springt zu Maria rüber und bedroht sie mit dem Messer.)

Der böse Geist:
Vielleicht ist Dir Dein Leben ja nicht sehr viel Wert. Aber willst Du gerne Deine Frau und Dein Kind verlieren.

(Joseph nimmt seinen Geldbeutel ab und gibt ihn dem bösen Geist. Dieser verschwindet wieder)(Joseph setzt sich hin)

Joseph:
Das hat uns noch gefehlt. Wie sollen wir ohne Geld weiterkommen. Wo sollen wir unterkommen. Wer nimmt schon eine Familie ohne Geld bei sich auf?

Maria:
(Geht zu Joseph, zieht ihn hoch.) Wir finden schon einen Weg. Ich fühle mich auch schon wieder etwas besser. (Laut) Au!(greift sich zum Bauch. Und setzt sich hin)

Joseph:
Was ist geht es schon los?

Maria:
Nein, nein. Es hat mich nur getreten. Es geht schon wieder.

(Der gute Geist reitet auf einem Esel ein und hält bei Maria und Joseph an.)

Der gut Geist:
Habt Ihr Probleme, braucht ihr Hilfe?

Joseph:
Wir sind gerade ausgeraubt worden und müssen noch bis Bethlehem. Ich weiß nicht wie wir das schaffen sollen. Und das alles nur wegen den verdammten Römern. Wenn ich diesem Kaiser Augustus nur einmal richtig die Meinung sagen könnte.

Der gut Geist:
(Legt Joseph die Hand auf die Schulter.) Bleib ruhig Mann. Das hilft Euch jetzt nicht weiter. Wir sind alle wütend über diese Entscheidung, doch es ist wichtiger das wir uns jetzt gegenseitig helfen. Ich muß auch in Richtung Bethlehem. Sogar noch etwas weiter. Wenn Ihr wollt können wir auch zusammen reisen. Dein Weib kann auf dem Esel reiten und wir beide gehen zu Fuß. Verwandte von mir wohnen in der Nähe von Jerusalem, Dort können wir heute übernachten.

Maria:
Das klingt zu schön um war zu sein. Was meinst Du Joseph?

Joseph:
(beugt sich zu Maria hinüber) Ich weiß nicht so recht. Vielleicht treibt er ein falsches Spiel.

Maria:
Was kann denn noch schlimmeres passieren. Ich finde wir sollten ihm einfach vertrauen.

Joseph:
Vermutlich hast Du recht. (Dreht sich wieder zum guten Geist.) Vielen Dank für Dein Angebot. Wir nehmen es gerne an.

(Licht verlischt)

Der böse Geist:
(Mit rotem Spot beleuchtet.) Die meiste Zeit gewinne ich, in dem Duell der großen Kräfte. Doch manchmal da ergibt es sich, daß ich es zu den Akten hefte. Dies war doch nur ein Pyrussieg. Noch ist der Kampf nicht ganz Verloren. So manche Chance ich noch krieg, bevor dies Kindlein wird geboren.

(Licht verlischt)

Der gute Geist:
(Mit gelbem Spot beleuchtet) Es ist als hät die ganze Welt sich gegen dieses Paar verschworen. Als ob es einzig Gott gefällt, das dieses Kindlein wird geboren. Das Böse ist so oft zur Stelle, nimmt Einfluß auf ihr Lebensglück. Drum ich mich zu ihnen geselle, schick ihn ins dunkle weit zurück.

(Licht verlischt)

3.AKT

Erzähler:
Und so kamen sie nach mehreren Tagen in Bethlehem an. Die Stadt war überfüllt mit Menschen und Tieren. Überall stank es erbärmlich. Die Gassen waren verstopft mit Unrat. Joseph und Maria machten sich nun auf die Suche nach einer Herberge. Ihr neuer Begleiter half ihnen dabei.

(Joseph klopft an eine Tür)

Wirt 1:
Was gibt’s?

Joseph:
Guter Mann wir suchen eine Unterkunft habt ihr noch ein Plätzchen frei?

Der böse Geist:
(rechts vom Wirt, leise) Vater schick sie weg, deine Herberge ist schon fast voll und jeden Tag strömen mehr Menschen in die Stadt. Warte lieber noch ein paar Tage dann kannst Du den Preis noch hochtreiben. Du weißt doch Angebot und Nachfrage.

Wirt 1:
Du hast recht. Diese neumodischen Geschäftsideen haben auch ihre Vorteile. (zu Maria und Joseph gewandt) Ich habe kein Zimmer mehr frei. Vielleicht zieht ja in den nächsten Tagen wieder jemand aus ihr könnt ja noch mal später vorbeischauen. (Sie gehen weiter. Der gute Geist schaut grimmig zurück und der böse Geist grinst.)

Der gute Geist:
(zu Joseph gewandt) Laß Dich nicht entmutigen. Es gibt noch viele Herbergen in Bethlehem. Versuchen wir es doch mal da vorne.

(Joseph klopft erneut an eine Tür)

Wirt 2:
Was wünschen die Herrschaften (rümpft aber als er Joseph und Maria erblickt leicht die Nase)?

Joseph:
Wir suchen eine Unterkunft, nur für ein paar Tage.

Der böse Geist:
(Kommt von hinten an, als Frau verkleidet.) Oh, was sind denn das für Leute. Also wissen sie Wirt, es hieß ihre Herberge hätte ein gewisses Niveau. Sie wollen doch diesen dahergelaufenen Personen kein Zimmer geben. Die sehen ja aus als würden sie sonst auf der Straße leben.

Wirt 2:
Entschuldigung, Gnädige Frau, ich werde das Problem gleich gelöst haben. (wendet sich Joseph und Maria zu) Verschwindet, ich bin doch kein Obdachlosenasyl. (greift sich einen Stock) Oder soll ich Euch erst Beine machen.

(Maria und Joseph gehen schnell weg.)

Maria:
(zuckt zusammen) Au, was war das. O Joseph ich glaube das Kind kommt bald. Laß uns schnell eine Unterkunft finden ich will mein Kind nicht auf der Straße bekommen.

Joseph:
Was soll ich machen überall werden wir abgewiesen?

Maria:
(leicht keifig) Du mußt Dich eben mehr anstrengen. Du läßt Dich viel zu leicht abwimmeln. (kleine Pause) Beeile Dich bitte!

(Joseph schaut hilfesuchend den guten Geist an, dieser zuckt mit den Schultern.Joseph läuft schnell zur nächsten Tür und klopft an)

Wirt 3:
(ruft aus dem Hintergrund, leicht alkoholisiert) Moment ich komme gleich. (Torkelt leicht Richtung Tür, mit einer Flasche Alkohol in der Hand) Ja bitte, was gibt’s?

Joseph:
Guter Mann wir brauchen dringend eine Unterkunft meine Frau bekommt ein Kind und wir wurden bisher überall abgewiesen.

Der böse Geist:
(mit Kittelschürze verkleidet, ruft aus dem Hintergrund.) Jakob, halte Dich nicht so lange auf, wir sind ausgebucht und es gibt genug zu tun.

Wirt 3:
Ich habe kein Zimmer mehr frei. Du wirst woanders hingehen müssen.

Joseph:
(fällt auf die Knie und greift nach dem Hosenbein vom Wirt) Oh bitte es muß nicht ein Zimmer sein. Wenigstens ein Dach über dem Kopf. Vielleicht haben sie ja noch Platz in den Wirtschaftsräumen oder bei den Tieren. Nur schicken sie uns bitte nicht weg.

Der böse Geist:
(kommt aus dem Hintergrund vor) Was ist denn schon wieder los hier. Wer sind diese Leute?

Wirt 3:
Sie suchen ein Dach über dem Kopf und die Frau bekommt bald ein Kind.

Der böse Geist:
Das fehlt uns noch. Wir haben genug andere Sorgen. Verschwindet gefälligst.

Der gute Geist:
(Kommt hinter Joseph und Maria vor.) Was herrschen denn bei Dir für Sitten, Wirt. Hat Deine Frau etwa das Sagen. Du stehst wohl ziemlich unter dem Pantoffel. Hast Du keine eigene Meinung. Sei nicht so hart. Du hast doch bestimmt noch irgendwo Platz. Kannst Du es zulassen das die Frau auf der Straße ihr Kind bekommt. Es sind Juden wie Du, von den Römern in diese Lage gebracht. Ihr müßt einander doch helfen.

Wirt 3:
(zu seiner Frau) Verschwinde in die Küche. (Zu Joseph und Maria) Nun gut, im Stall ist noch Platz. Da habt ihr es wenigstens warm. Ich habe auch heute dort erst saubergemacht. Ihr werdet schon noch sauberes Stroh finden. Der Stall liegt hinterm Haus. (Zeigt um die Herberge rum)

(Maria und Joseph drehen sich zum guten Geist)

Maria:
Vielen Dank für Deine Hilfe. Ohne Dich hätten wir es nicht geschafft. (Ruft) Au!(greift sich an den Bauch)

Der gute Geist:
(Nimmt sie in die Arme) Ruhe Dich jetzt noch ein wenig aus. Du wirst die Kraft heute nacht noch brauchen. (zu Joseph) Kümmere Dich gut um sie. Hier hast Du noch ein paar saubere Tücher. Da drin könnt ihr dann das Kind einwickeln.

Joseph:
Vielen Dank! Noch eine gute Reise und Gottes Segen.

(Maria und Joseph gehen in die eine, der gute Geist in die andere Richtung ab. Licht verlischt.)

4.AKT

Erzähler:
Und so machten Maria und Joseph es sich im Stall bequem. Neben ihnen waren noch zwei Kühe und ein Esel im Stall untergebracht. Mit ihren großen Körpern wärmten sie den kleinen Stall. Marias Wehen wurden immer stärker. Kurz nach der Dämmerung, als die ersten Sterne am Himmel sichtbar wurden gebar sie einen Sohn. Sie wickelte ihn in die sauberen Tücher und legte ihn in eine Futterkrippe.

(Licht verlischt. )

Der gute Geist:
Ist diese Nacht nicht wunderbar. Die Engelsscharen jubeln laut. Maria nun ihr Kind gebar, daß keiner sich zu schweigen traut. In diesem Kind wird Gott lebendig, es macht ihn sichtbar hier auf Erden. Nun fängt sie an die neue Zeit, durch ihn soll alles anders werden. Er wird das Wort lebendig machen, damit ‘s in alle Ohren dringt. Liebe zu Gott wird er entfachen, daß sie die Menschen zu ihm bringt. Ich will dies nun ganz laut verkünden, an alle die verzweifelt sind. Daß jeder der erdrückt von Leiden letztendlich zu dem Kinde find.

(tritt ab)

(Der böse Geist tritt von rechts auf mit Spot)

Der böse Geist:
Was ist mit denn los in dieser Nacht, daß Gott sie auch noch heilig macht. Die Sterne leuchtet hell und klar, als wäre alles wunderbar. Mir wird dabei ganz eisig kalt, hier hilft nicht einmal mehr Gewalt. Denn dieses kleine schwache Kind, ist meinem Zugriff ganz entzogen. Weil tausend Engel um es sind. Ich hab mich selber wohl belogen, als ich versuchte zu verhindern was Gott schenkt seinen Erdenkindern. Doch was nützt es dem großen Gott, wenn keiner darauf reagiert. Wenn Hunger, Armut all die Not, der Menschen Blicke voll fixiert. Ich will dies schüren wie noch nie, will geben ihnen schlechten Rat. Dann ganz am Ende glauben sie, das Gott sie ganz vergessen hat. (wirft Mantel um die Schultern und geht ab)

(drei Hirten sitzen um ein Feuer, aus der Dunkelheit tritt der verhüllte böse Geist)

Der böse Geist:
Diese Nacht ist so schaurig kalt, kann ich mich bei Euch niederlassen.

Hirt 1:
Ein Platz am Feuer ist noch frei. (der böse Geist setzt sich) Was treibst Du Dich so spät noch herum. Hast Du kein Zuhause.

Der böse Geist:
Ich hatte eins. Doch die letzten Ernten waren schlecht. Ich mußte meine Kinder in die Schuldsklaverei verkaufen. Dann kamen auch noch die römischen Steuereintreiber und haben mir alles weggenommen. Was muß Gott uns hassen, daß er uns so etwas antut.

Hirt 2:
Ja es ist schon schwer, aber vielleicht ist das wieder einmal die Strafe für die Sünden unserer Väter.

Der böse Geist:
Na als ob wir was dafür können. Mir ist dieser Gott langsam zu launisch. Vielleicht sollte ich mir einen anderen suchen. Die Welt ist voll mit Göttern. Die meisten kann man sich sogar in verkleinerter Form ins Haus stellen. Unser Gott ist ja völlig gesichtsslos.

Hirt 1:
So darfst Du nicht reden Mann, wenn er das hört wird er Dich bestrafen.

Der böse Geist:
Ach was, es gibt so viele verschiedene Götter und andere Völker die mit ihren Göttern glücklicher sind. Wir sind wie fügsame Schafe, die darauf vertrauen, daß unser Gott alles zum guten lenkt. Vermutlich ginge es uns ohne diesen Gott viel besser.

Hirt 2:
Also ich weiß nicht. Die Geschichte unseres Volkes ist doch eine Geschichte mit dem Gott Abrahams. Und sich jetzt einfach einen anderen zu suchen, nur weil es uns mal ein bißchen schlechter geht...

Der böse Geist:
Ein bißchen? Wer von Euch ist denn in den letzten Jahren nicht ärmer geworden. Und überhaupt geht es uns Israeliten mit unserem Gott ständig schlecht. Immer wieder unterjochen uns fremde Völker immer wieder müssen wir leiden. Und wenn wir mal aufbegehren, dann bestraft er uns. Schaut Euch die Römer an, sie haben viele Götter und sie regieren die Welt.

Hirt 1:
Vielleicht hast Du recht, Mann. (die anderen nicken leicht) Was hat Gott eigentlich bisher für uns getan.

(Plötzlich ertönt laute Musik und ein helles Licht erstrahlt, in einem Lichtkegel steht der gute Geist. Die Hirten fallen vor Schreck auf den Boden. Der böse Geist zieht sich zurück)

Hirt 2:
Das ist die Strafe für unsere Worte!

Der gute Geist:
(Breitet die Arme aus.) Fürchtet Euch nicht! Denn wisset wohl: ich verkündige Euch große Freude, die dem ganzen Volk widerfahren wird; denn Euch ist heute ein Retter geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und dies sei das Erkennungszeichen für Euch: Ihr werdet ein neugeborenes Kind finden, das in Windeln gewickelt ist und in einer Krippe liegt.

(laute Musik und verlöschen des grellen Lichts)

Hirt 1:
Es ist als hätte Gott uns gehört und dies ist seine Antwort auf unsere Verzweiflung. Laßt uns noch heute Nacht aufbrechen und dieses Kind suchen.

Hirt 2:
Wo ist eigentlich der andere Mann?

Hirt 1:
Vielleicht ist er schon losgegangen. (Die Hirten gehen ab.)

(Licht verlischt ganz)

(Nach einem Moment der Stille steht der böse Geist im Spot in der Mitte)

Der böse Geist:
Soll diese Nacht mein Ende sein? Vorbei der ewig große Kampf? Das ich im grellen Engelsschein gleich einem Tropfen Tau verdampf? Alles ist geschehen wie Gott es wollte. Es ist entstanden was nicht entstehen sollte und es bricht sich Bahn was besser nie begonnen hätte. Doch kann tatsächlich diese Stätte, der Anfang allen Endes sein, daß glaub ich nicht, daß ist nur Schein. Ich kenn‘ die Menschen lang genug, sie lieben doch großen Betrug. So lang sie selber nicht betroffen, sie auf den eignen Vorteil hoffen. Ich geb nicht auf, nicht eine Stunde. Vielleicht daß ich aus dieser Runde noch heute hier ein Opfer finde. Bereit zu einer kleinen Sünde, bereit die Liebe zu vergessen, auf Geldgeschenke ganz versessen. (Licht verlischt)(laut) Ha,ha,ha!!

(Handy des bösen Geistes klingelt)

Der böse Geist:
Ja, was gibt’s?

Der gute Geist:
Ich habe grade gehört daß das Einkaufszentrum heute verlängerte Öffnungszeiten hat und ich brauche noch ein zwei Geschenke. Willst Du auch mitkommen?

Der böse Geist:
Klingt gut. Sag noch den anderen bescheid! Bis gleich vor der Kirche.

(Die Handys der anderen Schauspieler klingen auch. Alle reden kurz durcheinander und gehen dann ab)

 
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Propstei St. Walburga, Werl
 
 
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