Reportage aus Bethlehem
 
 

Reportage aus Bethlehem

geschrieben von: Mareike Kreitz
Aufführung: 24.12.1999; Martin - Luther Kirche in 91056 Erlangen
gespielt von der JS Marakuja (8-12 Jahre alt)
Rückmeldung: begeisterte Gemeinde; auch den Kindern hat es großen Spaß gemacht!!

Thema: Reportage in Bethlehem mit Live Übertragung
Inhaltlich: Sich um andere kümmern /Fremde aufnehmen

Rollen:
Fernsehsprecher, Reporter, Josef, Maria, Augustus, Wirt 1, Wirt 2, Wirt 3, Hirte 1, Hirte 2, Hirte 3, Engel, Weiser 1, Weiser 2, Weiser 3, Bewohner v. Bethlehem, Leute in der Gemeinde:

Szene 1:

Fernsehsprecher steht in der Mitte, erzählt, was bisher passiert ist. Morgen soll die Volkszählung stattfinden, sehen, was in Bethlehem los ist.

Ein Fernseher wird hochgehalten, dahinter steht der Fernsehsprecher, spricht in das Mikrophon.

F:
Guten Tag, meine Damen und Herren. Ich begrüße sie zu den Bethlehemer Nachrichten um 16:00 Uhr.
Aufgrund des Erlasses von Kaiser Augustus vor zwei Wochen müssen sich morgen alle Menschen dieses Landes schätzen lassen. Dies ist die erste Volkszählung seit es unser Land gibt. Aufgrund dieses Befehls müssen sich nun alle Bewohner in ihre Heimatstadt begeben. Für alle, die es damals verpasst haben, hier noch einmal die Rede unseres Herrschers:

A:
An alle Bürger dieses Landes: Am 25. Tag dieses Monats rufe ich alle Menschen auf, sich schätzen zu lassen. Dazu muss sich jeder in seine Heimatstadt begeben und sich dort eintragen lassen. Dies ist ein Gebot und muss beachtet werden.

F:
Dies führt zu erheblichen Komplikationen in unserer Stadt. Wir haben nun eine Live Schaltung zu unserem Außenreporter Frau Meier.

Mikro, viele Menschen laufen hin und her.

R:
Grüß Gott! Ich befinde mich mitten auf dem Marktplatz unserer kleinen Stadt. Hier ist die Hölle los! Von verschlafen keine Spur. Viele Leute suchen für heute nacht noch eine Unterkunft, doch ich habe gehört, dass die Schlafplätze langsam knapp werden. Dazu befragen wir mal den Wirt dieses Hauses.

R geht zu W1, klopft, W1 macht Tür auf.

R:
Wie schaut die Lage aus: Haben sie noch Betten für Neuankömmlinge?

W1:
Naja, ich nehme niemanden mehr auf. Mein Haus ist bis oben hin voll! Ich habe sogar die Dachkammer und den Keller belegt. Wer jetzt noch nicht da ist, hat selber schuld. Schließlich hatten die Leute ja lange genug Zeit.

R:
Vielen Dank. Für diese Auskunft. Fragen wir das nächste Gasthaus.

R geht zu W2, klopft, W2 macht Tür auf.

R:
Ich habe gehört, viele Gasthäuser sind schon voll. Haben sie denn noch Platz für Neuankömmlinge?

W2:
Ich? Auf keinen Fall. All diese fremden Leute in dieser Stadt. Das ist mir sowieso zu viel. Ich habe nur Bekannte von mir einquartiert. Andere lasse ich nicht in mein Haus. In dieser Situation ist mir meine Familie am wichtigsten. Jeder hat ein eigens schönes Zimmer bekommen. Mein Gasthaus steht ab nächster Woche wieder für zahlende Gäste offen.

R:
Zum Wirt: Danke schön.
Zur Gemeinde:
Die Lage sieht schlecht aus, doch dort hinten sehe ich noch ein junges Ehepaar. Die sind wohl gerade erst angekommen und suchen noch nach einer Unterkunft. Die werde ich mal befragen.

Zu J und M: Wo kommen sie denn her?

J:
Wir kommen aus Nazareth und als wir von dem Erlass gehört haben, sind wir sofort losgezogen. Das ist jetzt schon einige Tage her.

M:
Der Weg war weit und staubig. Zum Glück hatten wir unseren Esel und ich konnte einige Kilometer reiten. Jetzt freuen wir uns auf ein weiches Bett und etwas zu essen.

J:
Sie sehen ja, meine Frau ist schwanger. Ich bin ja froh, dass wir es bis hierher geschafft haben. Wir haben zwar das Nötigste dabei, auch Sachen für das Baby, aber übernachtet haben wir immer in Herbergen, weil wir nicht soviel tragen konnten. Jetzt brauchen wir auch noch eine Unterkunft.

M:
Komm Josef dort drüben in dieser Herberge fragen wir einmal nach.

R:
Ich werde sie live für unsere Zuschauer bei der Herbergssuche begleiten.

Szene 2:

J und M gehen, befragen ersten

J: (klopft) :
Guten Abend, haben sie noch ein Zimmer für uns frei? Wir kommen aus Nazareth und unsere Füße tun uns weh.

W1:
In meinem Haus ist kein Platz mehr. Da findet keine Maus mehr ein freies Bett. Tut mir sehr leid, sie müssen es woanders probieren.

J:
Komm, wir gehen zum nächsten Gasthaus.

M:
Guten Abend, wir haben einen weiten Weg hinter uns und sind sehr müde. Haben sie noch eine Kammer für uns frei?

W2:
Für sie auf gar keinen Fall. Ich habe nur Familie und Freunde im Haus. Noch dazu wo sie schwanger sind. Nicht dass das Kind noch in meinem Haus geboren wird. Das würde mir gerade noch fehlen. Ich glaube, sie hätten früher kommen müssen, denn alle Gasthäuser der Stadt sind schon voll.

R:
Die zwei haben kein Glück. Alle Gasthäuser sind voll. Niemand hat Mitleid mit ihnen. M und J gehen zum dritten Wirt

J:
Guten Abend, bitte, können sie uns ein Zimmer geben. Wir sind müde und können nicht mehr weiter. Wir waren schon in allen anderen Gasthäusern der Stadt. Alle sind voll.

W3:
Nein, meine Zimmer sind auch alle belegt. Manche sogar doppelt und dreifach.

M:
Sie sind unsere letzte Hoffnung. Sehen sie doch, ich bin schwanger. Ich brauche einen Platz zum ausruhen.

W3:
Naja gut, ich sehe, ich kann sie in ihrer Situation ja nicht einfach wieder wegschicken. Aber viel kann ich ihnen nicht bieten. Ich habe drüben noch einen warmen, trockenen Stall, sauberes Stroh, und meine Tiere werden sie hoffentlich nicht stören. Dann eine gute Nacht.

M:
Vielen herzlichen Dank.

J:
Sie haben uns sehr geholfen.

R:
Da! Jemand hat sich doch noch ein Herz genommen und ihnen eine Unterkunft zur Verfügung gestellt.
Das ist ja wahnsinnig. Wir waren eben live dabei, wie es diesem jungen Paar doch noch gelang ein Nachtquartier zu finden. Mit diesen bewegen Bildern schalten wir zurück ins Funkhaus.

F:
Meine Damen und Herren, ich freue ich mich, dass wir von den BN diese Bilder präsentieren konnten. Natürlich werden wir das Schicksal dieser Familie weiter verfolgen. Es ist jetzt 16.15 Uhr in unserem Programm folgt nun ein Auszug aus dem Konzertprogramm des Bethlehemer Chor. Ich wünsche ihnen gute Unterhaltung.

Lied: Gottes Sohn ist uns heut geboren

Szene 3: Hirten

F:
Gerade ist bei uns eine aktuelle Meldung aus Bethlehem eingetroffen: auf einer Wiese vor der Stadt scheinen sich seltsame Dinge zu ereignen. Unser Reporter befindet sich schon vor Ort.

Hirten, Engel, Reporter stehen vorne; Hirten treten auf; bereiten sich einen Lagerplatz;

E:
Fürchtet Euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
Und das habt zum Zeichen: ihr werdet das Kindlein finden, in Windeln gewickelt in einer Krippe liegend.
Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden.

H1:
Das ist ja unglaublich! Der Heiland und Erlöser soll ausgerechnet heute geboren sein; in einem Stall in einer so kalten Nacht?

H2:
In Bethlehem? Unserer kleinen Stadt? Und wir sollen die ersten sein die davon erfahren?

H3:
Schnell, wir wollen auch die ersten sein die ihn und seine Eltern begrüßen.

H1:
Meint ihr wirklich wir können da so hingehen, wir sind doch nur Hirten und kommen direkt von der Arbeit.

H2:
Du hast es doch gehört, der Engel kam doch extra zu uns.

H3:
Wenn wir zu ihm gehen müssen wir aber Geschenke mit nehmen. Ich haben noch ein schönes weiches Fell, das werde ich ihm Schenken.

H1:
Na dann können wir ja jetzt los!

R:
Großartig, wir werden natürlich live dabeibleiben und ihnen berichten was an der Geschichte mit dem Sohn Gottes wahres dran ist.

F:
Nach einer kurzen Pause schalten wir zurück in den Stall.

Lied: Kommet ihr Hirten

Szene 4: Waisen

Waisen ziehen langsam heran und stellen sich auch neben den Stall, die Kerze, die den Stern darstellen soll, wird angezündet.
R: Wie ich sehe sind mittlerweile noch weitere Gäste im Stall eingetroffen: Sie sehen aus als kämen sie von weit her.
(Zu den Waisen): Entschuldigung darf ich fragen wo sie herkommen und warum sie hier sind?

W1:
Wir kommen aus dem Morgenland und warten seit Jahren auf die Geburt eines großen Königs.

W3:
Unsere Sterndeuter haben gesagt in dieser Nacht würde ein besonders großer und heller Stern am westlichen Himmel stehen.

W2:
Seit Tagen reisen wir einem hellen Stern hinterher. Jetzt leuchtet er dort über diesem Stall. Hierher hat uns der Stern geführt.

W1:
Dieses Baby ist der neue König. Und wir sind nun hier um ihm unsere Geschenke zu bringen.

W2:
Wir haben Gold, Weihrauch und Myrrhe mitgebracht.

W3:
Wenn wir nach Hause reisen werden wir allen von der Geburt des Königs erzählen.

R:
Vielen Dank ! Wer hätte gedacht, dass dieser Tag für Maria und Josef noch so gut endet. Erst waren sie unerwünschte Fremde und nun werden sie begrüßt und reich beschenkt, weil ihr Kind Gottes Sohn ist.
Mich würde jetzt schon interessieren was die Einwohner Bethlehems dazu zu sagen haben:

Bewohner B`s treten aus dem Hintergrund an die Krippe.

R:
Hätten sie diese junge Familie aufgenommen?

B1:
Ganz egal wer kommt, Fremde lasse ich nicht in mein Haus, ich kümmere mich nicht um die Probleme anderer Leute.

W2:
Wenn ich gewusst hätte, dass dieses Kind Gottes Sohn ist, hätte ich sie natürlich sofort bei mir wohnen lassen. Meine Frau hat selber drei Kinder die hätte der jungen Frau sicher helfen können. Warum haben sie denn nicht gesagt wer die beiden sind?

B2:
Wären die beiden zu meinem Haus gekommen hätte ich eine Platz für sie gefunden. Mein Haus ist zwar klein und ich bin nicht grade reich aber für ein paar Tage wäre es gegangen.

R:
Mit diesem Meinungsbild gebe ich ab an das Studio.

F:
Meine sehr verehrten Zuschauer! Dies waren bewegende Bilder aus einer Nacht die wir so schnell nicht vergessen werden. Eins hat es uns gezeigt: Es gibt Menschen, die kümmern sich um das Schicksal von ihren Mitmenschen und lassen sie nicht im Stich. Denken sie drüber nach: Was würden sie tun, wenn heute Abend eine junge Familie mit einer schwangeren Frau bei ihnen an der Haustüre klingelt? Ich wünsche ihnen noch einen guten Abend und eine gute Nacht!

Lied: Stille Nacht, heilige Nacht

 
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Propstei St. Walburga, Werl
 
 
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